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Lieber Herr Oberbürgermeister Seppberger,

als Kreisrätin habe ich großes Verständnis dafür, dass Sie das einzigartige kulturelle Angebot unseres Alten Stadttheaters fördern wollen. Für eine Stadt wie Eichstätt muss kulturelle Teilhabe eine Selbstverständlichkeit sein – für mich ist sie sogar ein Bürgerrecht. Dennoch sollten wir dabei die richtigen Prioritäten setzen.

Seit Jahren mangelt es in Eichstätt, etwa am Bahnhof, an einer barrierearmen Infrastruktur. Alte Menschen sind oft auf fremde Hilfe angewiesen, um sich in unserer Stadt und Region fortbewegen zu können. Seit Jahren mangelt es in unserer Region auch an altersgerechten Wohnungen, die Senioren einen Lebensabend in den eigenen vier Wänden ermöglichen würden. Und seit Jahren beklagen wir auch in Eichstätt Schulschließungen, weil Schuien nicht mehr aufrecht erhalten werden können. Kurz um: Es gibt Baustellen in Eichstätt, die dringend angegangen werden müssten.

In Anbetracht dieser Baustellen glaube ich deshalb nicht, dass die Stadt Eichstätt das Alte Stadttheater dauerhaft subventionieren sollte. Ziel muss sein, dass sich das Stadttheater selbst trägt und wir das wertvolle Steuergeld der Bürger in Infrastruktur und Schulen investieren können. Freilich sollten Schüler, Studenten, Rentner oder Erwerbslose auch in Zukunft das Alte Stadttheater unabhängig ihres Geldbeutels besuchen können. Doch die Besucher, die es sich leisten können, sollten künftig auch mehr zum Erhalt dieses einzigartigen kulturellen Angebots beitragen.

Mit freundlichen Grüßen,
Jutta Herzner-Tomei